Methode 10 · Einordnen
Technologie-Portfolio-Analyse
Die Portfolio-Analyse überträgt das Denken der strategischen Planung auf Technologien: Jedes Feld wird auf zwei Achsen bewertet — der Technologieattraktivität (Weiterentwicklungspotenzial, Anwendungsbreite, Zeit bis zur Marktreife) und der eigenen Ressourcenstärke (Know-how, Patente, finanzielle und personelle Basis). Aus der Position im Raster folgen Normstrategien: investieren, selektiv vorgehen, desinvestieren. Der Wert liegt weniger in der Präzision der Verortung als im Zwang, das gesamte Feld gleichzeitig zu betrachten und Prioritäten zu setzen — Technologiestrategie ist immer auch die Entscheidung, was man nicht tut.
Vorgehen
- Technologiefelder abgrenzen. Vergleichbare Granularität — nicht „KI" neben „Natrium-Ionen-Kathodenmaterial".
- Attraktivität bewerten. Kriterien festlegen (Potenzial, Breite, Zeit, Risiko), gewichten, je Feld bewerten — im Team, nicht allein.
- Ressourcenstärke bewerten. Relativ zum stärksten Wettbewerber: Wo stehen wir wirklich?
- Verorten und Normstrategie ableiten. Hoch/hoch investieren, niedrig/niedrig desinvestieren, dazwischen selektiv — jede Abweichung von der Norm begründen.
- Als Diskussionsgrundlage nutzen. Das Raster ist der Anfang der Diskussion, nicht ihr Ergebnis.
Stärken
- Zwingt zur Gesamtsicht und zur Priorisierung.
- Anschlussfähig an strategische Planung und Budgetierung.
- Macht implizite Präferenzen explizit und diskutierbar.
Grenzen
- Die Bewertungen sind subjektiv; das Raster verleiht ihnen Scheinobjektivität.
- Zwei Achsen unterdrücken Wechselwirkungen zwischen Feldern.
- Normstrategien sind Faustregeln, keine Entscheidungen.
So verwenden wir sie in unseren Roadmaps
Die Portfolio-Logik steckt in den Handlungsimplikationen jeder Roadmap (Baustein 5): Je Zeithorizont die Empfehlung beobachten / pilotieren / investieren / ignorieren — das ist die Normstrategie, heruntergebrochen auf ein Bündel und einen Zeitpunkt. Weil wir die Ressourcenstärke des einzelnen Lesers nicht kennen, formulieren wir die Implikationen für die Referenzbranchen der ADL-Matrix und machen die Annahmen sichtbar, sodass der Leser sie auf sein Haus übertragen kann.
Über alle zehn Roadmaps hinweg ergibt sich für den Club ein Portfolio-Bild: Welche Bündel drängen zur Entscheidung, welche vertragen Beobachtung. Das Monats-Update fasst genau diese Verschiebungen zusammen.
Literatur
- Pfeiffer, W., Metze, G., Schneider, W. & Amler, R. (1991): Technologie-Portfolio zum Management strategischer Zukunftsgeschäftsfelder. 6. Aufl., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
- Roussel, P. A., Saad, K. N. & Erickson, T. J. (1991): Third Generation R&D. Managing the Link to Corporate Strategy. Harvard Business School Press, Boston.
- Specht, G., Beckmann, C. & Amelingmeyer, J. (2002): F&E-Management. Kompetenz im Innovationsmanagement. 2. Aufl., Schäffer-Poeschel, Stuttgart.