technology‑review.com

Methode 04 · Einordnen

Technologielebenszyklus & ADL-Klassifikation

Technologien durchlaufen einen Lebenszyklus, und ihre strategische Bedeutung verschiebt sich dabei: von der Zukunftstechnologie (noch unklar, ob sie je relevant wird) über die Schrittmachertechnologie (beginnt, Wettbewerb zu verändern) zur Schlüsseltechnologie (entscheidet heute über Wettbewerbsvorteile) bis zur Basistechnologie (jeder hat sie, keiner gewinnt mehr damit). Diese Klassifikation nach Arthur D. Little ist eines der nützlichsten Werkzeuge des Technologiemanagements — und eines der am häufigsten schlampig angewendeten. Denn sie ist streng branchenrelativ: Was für einen Automobilzulieferer Schlüsseltechnologie ist, ist für eine Bank irrelevant und für ein Softwarehaus längst Basis.

ZUKUNFTSCHRITTMACHERSCHLÜSSELBASIS beobachtenaufbauenbeherrscheneinkaufen Branche A Branche B Branche C Dieselbe Technologie —drei Branchen, drei Einstufungen.
Vier Phasen mit vier Konsequenzen — und dieselbe Technologie an drei Stellen, je nach Branche. Deshalb klassifizieren unsere Roadmaps für Referenzbranchen, nicht absolut.

Vorgehen

  1. Bezugsrahmen benennen. Für welche Branche, welchen Markt, welches Unternehmen wird klassifiziert? Ohne Bezug ist jede Einstufung wertlos.
  2. Teiltechnologien zerlegen. Ein Bündel wie „Robotik" ist zu grob; Greiftechnik, Bildverarbeitung, Bewegungsplanung, Foundation Models für Motorik sind eigene Einträge.
  3. Wettbewerbsrelevanz beurteilen. Je Teiltechnologie und Bezugsrahmen: Differenziert sie heute? Wird sie es? Hat sie es einmal?
  4. Einstufen. Zukunft · Schrittmacher · Schlüssel · Basis — mit einem Satz Begründung.
  5. Wiederholen. Die Einstufung wandert; Schrittmacher werden Schlüssel werden Basis. Jährlich prüfen.

Stärken

  • Verbindet Reife mit strategischer Bedeutung — nicht nur „wie weit", sondern „wie wichtig für wen".
  • Klare Konsequenzen: Basis kaufen, Schlüssel beherrschen, Schrittmacher aufbauen, Zukunft beobachten.
  • Etabliert und in Unternehmen anschlussfähig.

Grenzen

  • Wird oft absolut statt branchenrelativ verwendet — dann ist sie irreführend.
  • Die Grenzen zwischen den Stufen sind Ermessenssache.
  • Erfasst keine Wechselwirkungen zwischen Technologien.

So verwenden wir sie in unseren Roadmaps

Hier lösen unsere Roadmaps ein Problem, an dem generische Roadmaps scheitern: Eine Roadmap für „alle" kann nicht absolut klassifizieren, weil die Klassifikation vom Leser abhängt. Deshalb ist die absolute Achse in unseren Roadmaps der Reifegrad (TRL plus Adoptionsgrad), und die ADL-Einordnung wird als Matrix für drei bis vier Referenzbranchen ausgewiesen — etwa: „Für Fertigungsindustrie Schrittmacher, für Softwareunternehmen bereits Schlüssel, für Finanzdienstleister Zukunft."

Das ist ehrlicher als eine scheinbar objektive Einstufung, und es ist für den Leser nützlicher: Er findet seine Branche und sieht sofort, ob er beobachten, aufbauen oder beherrschen muss. Baustein 3 jeder Roadmap.

Literatur