Methode 05 · Verdichten und entscheiden
Technology-Roadmapping
Eine Roadmap ist eine Zeitachse mit mehreren Ebenen übereinander — typischerweise Technologie, Produkte oder Anwendungen, Markt und Regulierung — auf der Meilensteine eingetragen und ihre Abhängigkeiten quer über die Ebenen verbunden werden. Ihr Nutzen ist nicht die Vorhersage einzelner Termine, sondern die Sichtbarkeit von Kausalketten: Welche Anwendung braucht welche Technologiereife, welche Regulierung öffnet welchen Markt, wann? Eine gute Roadmap ist deshalb weniger ein Plan als eine strukturierte Erwartung, die man laufend gegen die Wirklichkeit hält und korrigiert.
Vorgehen
- Zeitachse und Ebenen festlegen. Bei uns: heute → 3 → 5 → 10 Jahre; Ebenen Technologie · Anwendungen/Produkte · Markt & Regulierung.
- Meilensteine je Ebene sammeln. Aus Scanning, S-Kurven, TRL-Bewertung: Was wird wann erwartet — mit Quelle und Konfidenz.
- Abhängigkeiten ziehen. Welche Anwendung setzt welche technische Reife voraus, welcher Markt welche Regulierung? Die Verbindungslinien sind der eigentliche Inhalt.
- Unsicherheit ausweisen. Meilensteine als Bänder statt Punkte, wo die Einschätzung breit ist.
- Fortschreiben und protokollieren. Jede Verschiebung wird datiert festgehalten — das Änderungsjournal.
Stärken
- Macht Abhängigkeiten sichtbar, die in Einzelbewertungen fehlen.
- Verbindet technische Sicht mit Markt- und Regulierungssicht.
- Als lebendes Dokument ehrlicher als jede Einmalprognose.
Grenzen
- Verführt zu falscher Terminsicherheit — Roadmaps sehen präziser aus, als sie sind.
- Aufwendig in der Pflege; veraltete Roadmaps sind schlimmer als keine.
- Bildet Trendbrüche schlecht ab; dafür braucht es Szenarien.
So verwenden wir sie in unseren Roadmaps
Roadmapping ist das Rückgrat des Produkts. Jede unserer zehn Roadmaps hat dieselbe Anatomie in sieben Bausteinen: Executive-Einordnung, die interaktive Roadmap-Grafik mit drei Ebenen über der Zeitachse, ADL-Klassifikation für Referenzbranchen, Reifegrad und Unsicherheit, Handlungsimplikationen je Horizont, das Änderungsjournal und den Quellenapparat.
Der wichtigste Baustein ist das Änderungsjournal: Was hat sich seit dem letzten Update verschoben, welche Signale haben die Einschätzung geändert, welche Empfehlung wurde revidiert — datiert, kumulativ, auch bei Fehleinschätzungen. Eine Roadmap ohne Journal ist ein Foto; mit Journal ist sie ein Film.
Literatur
- Phaal, R., Farrukh, C. J. P. & Probert, D. R. (2004): Technology Roadmapping — A Planning Framework for Evolution and Revolution. Technological Forecasting and Social Change, 71(1–2), 5–26.
- Willyard, C. H. & McClees, C. W. (1987): Motorola's Technology Roadmap Process. Research Management, 30(5), 13–19.
- Möhrle, M. G. & Isenmann, R. (Hrsg.) (2017): Technologie-Roadmapping. Zukunftsstrategien für Technologieunternehmen. 4. Aufl., Springer Vieweg, Berlin.