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Methode 07 · Verdichten und entscheiden

Szenariotechnik

Wo eine Roadmap eine erwartete Entwicklung fortschreibt, fragt die Szenariotechnik: Und wenn nicht? Sie konstruiert mehrere in sich schlüssige, aber strukturell verschiedene Zukunftsbilder aus den wichtigsten unsicheren Einflussgrößen — nicht Best Case und Worst Case derselben Zukunft, sondern wirklich andere Welten. Ihr Wert liegt nicht in der Wahl des „richtigen" Szenarios, sondern in der Vorbereitung auf mehrere: Wer für jedes Szenario weiß, woran er es früh erkennen würde, wird von keinem überrascht.

HEUTE Szenario ASzenario BSzenario CSzenario D FRÜHINDIKATOREN
Ein Trichter aus der Gegenwart in vier verschiedene Zukünfte — und auf jedem Pfad die Marke, an der man ihn früh erkennt.

Vorgehen

  1. Fragestellung und Horizont schärfen. Wofür brauchen wir Szenarien, bis wann?
  2. Einflussfaktoren sammeln und bewerten. Nach Wirkung und Unsicherheit — die unsicheren, wirkmächtigen Faktoren spannen den Szenarioraum auf.
  3. Projektionen bilden. Je Schlüsselfaktor zwei bis drei plausible, verschiedene Ausprägungen.
  4. Konsistente Bündel bilden. Welche Ausprägungen passen zusammen? Daraus drei bis vier Szenarien — als Erzählung, nicht als Tabelle.
  5. Frühindikatoren festlegen. Für jedes Szenario: Woran erkennen wir, dass es sich einstellt? Das ist der Teil, den die meisten weglassen.

Stärken

  • Bricht die Fortschreibungsfalle: Zukunft ist nicht Verlängerung der Gegenwart.
  • Macht Strategien robust gegen mehrere Entwicklungen statt optimal für eine.
  • Frühindikatoren verbinden Szenarien mit dem laufenden Scanning.

Grenzen

  • Aufwendig; schlechte Szenarien sind schlimmer als keine, weil sie Sicherheit vortäuschen.
  • Neigt zur Verwässerung, wenn Szenarien sich zu ähnlich sind.
  • Ersetzt keine Entscheidung — sie strukturiert nur den Raum dafür.

So verwenden wir sie in unseren Roadmaps

Unsere Roadmaps sind Erwartungspfade — Szenarien sind ihre Gegenprobe. Für jedes Technologiebündel halten wir mindestens zwei Kontrastszenarien im Hintergrund, in denen die Roadmap nicht aufgeht: schnellerer Durchbruch, längerer Stillstand, regulatorischer Bruch. Die Handlungsimplikationen (Baustein 5) werden gegen diese Szenarien geprüft: Trägt „investieren" auch, wenn der Durchbruch fünf Jahre später kommt?

Die Frühindikatoren der Szenarien sind zugleich Suchaufträge für das Scanning. Hier schließt sich der Kreis zu picturesoftomorrow.com, wo die Szenariomethodik in ihrer ganzen Breite steht; die Roadmaps sind ihr technologiespezifischer Ableger.

Literatur